Startseite
  Archiv
  Gästebuch

   manu

Webnews



http://myblog.de/janni123

Gratis bloggen bei
myblog.de





Aufgrund dieser Ueberlegungen kann ich Ihnen nur das folgende Verhalten nach Beendigung eines Strassenkampfes empfehlen:
Verlassen Sie SOFORT mit ihren eventuellen Begleitern den Ort des Geschehens! Falls der Rest der Jugendbande auftaucht, enden Sie in einer Rehabilitationsklinik oder auf dem Friedhof. Denkbar ist auch, dass ein erfolgreich abgewehrter Schlaeger zu seinem Auto geht und mit einer respektablen Waffe (Dolch, Schwert, Schusswaffe etc.) zurueckkehrt . Falls der Taeter erste Hilfe benoetigt, dann bitten Sie umstehende Passanten den Notarzt zu rufen und erste Hilfe zu leisten. Nachdem diese Zeugen zugestimmt haben, setzen Sie sich sofort ab.

Falls es keine Zeugen geben sollte, dann verschwinden Sie erst einmal vom Tatort. Anschliessend rufen Sie von einer oeffentlichen Telefonzelle aus anonym einen Rettungswagen. Die meisten Menschen sind fuer Rettungsmassnahmen nicht ausgebildet und koennen in dieser Situation ohnehin keine weitergehende erste Hilfe leisten. Andernfalls versorgen Sie den Kriminellen so schnell wie moeglich und halten dabei Ihre Umgebung genau im Auge. Danach verlassen Sie den Tatort unverzueglich und suchen eine Telefonzelle fuer den Notruf. Benutzen Sie auf keinen Fall Ihr Handy, denn ueber den Funknetzbetreiber kann dieses immer identifiziert werden. Sie koennen auch das Handy des Kriminellen fuer den Notruf benutzen, wenn Sie Handschuhe tragen oder ein Taschentuch benutzen, um keine Fingerabdruecke zu hinterlassen. Sie sind NICHT verpflichtet zusaetzlich zum Rettungswagen auch noch die Polizei zu benachrichtigen.

Neben Ihrem persoenlichen Schutz dient dieses Verhalten auch dazu, sich nicht mit Polizei und Justiz auseinandersetzen zu muessen. Zum Zeitpunkt des Strassenkampfes war die Staatsmacht nicht anwesend und kann Ihnen nach Beendigung des Kampfes auch keine Hilfe mehr sein.
Polizei und Staatsanwaltschaft werden in vielen Faellen erst einmal strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen SAEMTLICHE Beteiligten eines Strassenkampfes einleiten. Und damit auch gegen Sie als Verteidiger. Dies gilt besonders dann, wenn Sie selbst eine Waffe (Schlagstock, Messer etc.) zur Selbstverteidigung eingesetzt haben sollten. Vorgeworfen werden koennen Ihnen einfache oder gefaehrliche Koerperverletzung, Koerperverletzung mit Todesfolge oder gar Totschlag. Ihr Arbeitgeber wird begeistert sein, wenn er davon erfaehrt! Und bei der hohen Arbeitslosenrate muss niemand Leute beschaeftigen, die in strafrechtliche Ermittlungsverfahren verwickelt wurden.

Durch derartige Ermittlungsverfahren wurde schon so mancher erfolgreiche Verteidiger anschliessend vor Gericht doch noch zur Strecke gebracht. Schuld daran ist des oefteren das oben angesprochene Mittelschichtverhalten vieler Richter und Staatsanwaelte:

Dass Sie unbewaffnet gegen mehrere Angreifer kaum eine Chance haben, koennen viele Staatsdiener nicht verstehen, weil realer Strassenkampf nicht auf der Universitaet gelehrt wird. Und im Fernsehen wird ja jeden Abend das Gegenteil gezeigt! Die Bestellung von geeigneten Gutachtern ist schwierig und teuer. Dass ein Kampf erst beendet ist, wenn der Angreifer kampfunfaehig ist oder eindeutig fluechtet, wollen diese Zeitgenossen oftmals nicht verstehen. Ein Angreifer ist nicht automatisch kampfunfaehig, nur weil ihn der Verteidiger bei dessen ersten Attacke zu Boden geschlagen hat. Vielleicht zieht er dort heimlich ein Messer aus dem Stiefel und springt den Verteidiger ueberraschend an!
Auch wenn ein Angreifer vor der heftigen Verteidigung des Opfers zurueckweicht, hat er seine kriminellen Absichten noch nicht zwingend aufgegeben. Oftmals zieht er sich nur kurz zurueck, um einen erneuten Angriff mit besserer Kampftaktik vorzubereiten. Oder er benoetigt einige Sekunden Kampfpause, um eine Waffe zu ziehen. Ein geschickter Strafverteidiger wird jedoch vortragen, dass sein Mandant die Angriffsabsicht bereits aufgegeben hatte. Alle Notwehrhandlungen des Opfers nach diesem Zeitpunkt waeren damit als Ueberschreitung der Notwehr selbst strafbar. Wie sollen Richter und Staatsanwaelte ohne eigene Strassenkampferfahrung eine derartige Situation im Nachhinein zutreffend beurteilen? Was ihnen fehlt, ist ein "Messerstecher- und Schlaegerlehrgang fuer Richter und Staatsanwaelte", auf dem Polizeibeamte mit Erfahrung im Strassenkampf entsprechende Kenntnisse vermitteln.

Vielleicht ist der Taeter Auslaender und am besten noch Asylbewerber. In diesem Fall werden Sie selbst beweisen muessen, dass Sie ihn nicht auslaenderfeindlich provoziert haben. Unabhaengig davon kommt er nicht in Untersuchungshaft, weil die Gerichte ueberlastet und die Gefaengnisse ueberfuellt sind. Hueten Sie sich vor Racheakten, wenn sein Anwalt nach Akteneinsicht Ihre Adresse ermittelt hat. Dass der Taeter seinerseits Anzeige gegen Sie wegen Koerperverletzung als Ueberschreitung der Notwehr erstattet, ist so gut wie sicher. Und hierbei ist es moeglich, dass seine Freunde als Zeugen vor Gericht Falschaussagen machen, um Sie selbst als Angreifer darzustellen. Zu einer Falschaussage vor Gericht sind Kriminelle und asoziale Elemente jederzeit bereit. Ohne eigene Zeugen, die den tatsaechlichen Ablauf des Kampfes bezeugen, sind Sie in dieser Lage verloren. Ferner muessen Kriminelle, die von der Sozialhilfe leben, fuer die Verfahrenskosten nicht selbst aufkommen und koennen bedenkenlos saemtliche rechtlichen Moeglichkeiten ausschoepfen. Sie selbst werden jedoch Ihren Rechtsanwalt und alle sonstigen Verfahrenskosten erst einmal aus eigener Tasche bezahlen muessen. Ob Ihnen diese Kosten nach Abschluss des Verfahrens erstattet werden, ist ungewiss. Hinzu kommt die nervliche Belastung ueber Monate und manchmal Jahre hinweg, bis das Verfahren endlich straf- und zivilrechtlich abgeschlossen ist.

Im Endergebnis werden Sie als Verteidiger sich rechtfertigen muessen, und nicht der Kriminelle!

Gefangener mit Stahlkugel

Auf dem Rueckzug rennen Sie nicht und steigen auch nicht in Ihr in der Naehe geparktes Auto. Benutzen Sie auch kein Taxi, denn andernfalls koennen Sie Ihre Personenbeschreibung auch gleich selbst bei der Polizei abliefern. In kameraueberwachten Bereichen wie der U-Bahn oder bestimmten oeffentlichen Plaetzen ziehen Sie sich die Muetze oder Kapuze tiefer in das Gesicht und bekaempfen Ihr ploetzliches, standiges Niesen mit einem Taschentuch vor dem Gesicht. Falls Sie gestellt werden sollten, gilt Folgendes: Zivile Sicherheitsdienste haben Ihnen gegenueber keinerlei Sonderrechte. Nehmen Sie die Beine in die Hand und wehren Sie sich notfalls, wenn diese Sie festhalten wollen. Ein gut sichtbares Messer als Abstandshalter ist hier vielleicht keine schlechte Idee. Dies bedeutet nicht, dass Sie die Klinge auch einsetzen sollten, solange Sie nicht selbst mit einer Waffe angegriffen werden. Nach dem Jedermann-Paragraph der Strafprozessordnung duerfen zivile Wachleute nur einen Straftaeter auf frischer Tat vorlaeufig festnehmen. Dieses Recht hat jeder andere Buerger ebenfalls. Da Sie selbst rechtmaessig und verhaeltnismaessig in Notwehr gehandelt haben, gibt es keine rechtliche Handhabe für zivile Sicherheitsdienste.

Werden Sie von der Polizei gestellt, bleiben Sie freundlich und geben freiwillig Ihre "Notwehrausruestung" ab. Sie lassen sich widerstandslos durchsuchen und begleiten die Beamten brav zur Wache. Falls man Ihnen Handschellen angelegt haben sollte, dann nehmen Sie das bitte nicht persoenlich. Auch Polizisten fuerchten sich um Leib und Leben! Sie geben Ihre Personalien korrekt an und lassen sich auf keine Gespraeche oder eine foermliche Vernehmung zum Tathergang ein. Sie sagen lediglich aus, dass Sie ueberraschend und heftig angegriffen wurden und anschliessend aus Angst gefluechtet sind. Danach bestehen Sie auf einem Anwalt und sagen gar nichts mehr. Ein alter Vernehmungstrick in dieser Situation besteht in der Frage, ob Sie etwas zu verbergen haben und deshalb nicht aussagen wollen. Ignorieren Sie diese Frage einfach. Die Polizei muss beweisen, dass Sie sich einer Straftat schuldig gemacht haben. Ansonsten gilt fuer Ihr Verhalten die sogenannte Unschuldsvermutung. Wenn man Ihnen nichts nachweisen kann, sind Sie automatisch unschuldig. Sie benoetigen dazu weder ein Alibi fuer die Tatzeit noch irgendetwas anderes. Ferner sind Sie gesetzlich nicht verpflichtet vor der Polizei eine Aussage zu machen. Niemand darf nach der Strafprozessordnung gezwungen werden, sich wegen einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit selbst zu belasten. Da Sie einen anderen Menschen verletzt oder gar getoetet haben, muessen Sie immer mit einer Bestrafung rechnen. Ob man Ihnen tatsaechlich Notwehr bescheinigen wird, entscheidet die Justiz und nicht Sie selbst. Wenn Sie erst einmal jede Aussage verweigern, nehmen Sie also lediglich Ihr ausdruecklich verbrieftes Recht wahr!

Falls Sie den Rechtsanwalt benoetigen um freizukommen, schildern Sie ihm unter vier Augen den genauen Tathergang. Sie haben das Recht sich mit Ihrem Anwalt zu beraten, ohne dass Ermittlungsbeamte anwesend sind. Sie verschweigen nichts und fuegen auch nichts hinzu. Ihr Anwalt ist Ihr einziger Freund in dieser Situation! Viele Rechtsschutzversicherungen teilen ihren Kunden eine Notfallnummer mit, unter der Sie rund um die Uhr anwaltlichen Beistand anfordern koennen. Tragen Sie diese Rufnummer immer
bei sich. Falls Sie einen Strafverteidiger benoetigen sollten, dann suchen Sie sich einen auf Strafrecht spezialisierten Verteidiger, der nicht zu den sogenannten "Konfliktanwaelten" gehoert. Dieser Begriff bezeichnet Strafverteidiger, die im gesamten Ermittlungs- und Gerichtsverfahren auf Konfrontationskurs mit den Behoerden gehen.
Denn vor Gericht und auf hoher See sind Sie in Gottes Hand! Der Satz "Strafschaerfend wirkte sich die Wahl des Verteidigers aus" als fiktive Urteilsbegruendung ist leider nicht nur ein Juristenwitz. Wenn das Gericht Sie unbedingt verurteilen will, dann handelt ein guter Anwalt einvernehmlich mit der Justiz eine ertraegliche Strafe aus. Als Gegenleistung erwartet das Gericht ein Gestaendnis, den Verzicht auf Rechtsmittel und eine schnelle Erledigung des Verfahrens.

Meine oben angefuehrten Vorschlaege zum Verhalten nach einem Strassenkampf sind bei diversen Diskussionen im Internet auf herbe Kritik gestossen. Diesen Kritikern stelle ich folgende Frage: Ist erste Hilfe wirklich den Umstaenden nach zumutbar, wenn man anschliessend ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren ueber sich ergehen lassen muss? Die geleistete erste Hilfe kommt in vielen Faellen einer Selbstanzeige gleich, sobald die Polizei eintrifft und die Personalien des Verteidigers festgestellt hat. In diesem Zusammenhang moechte ich dem Leser die "Rechtsauffassung" von  Strassenkriminellen nicht vorenthalten:
"Richte deinen Gegner mit aller Brutalitaet so zu, dass er nicht mehr aufsteht und in der Gosse liegen bleibt. Er darf auch nicht mehr in der Lage sein, irgendwann alleine oder mit Verstaerkung zurueckzukehren und sich zu raechen. Verschwinde unerkannt vom Tatort und ueberlasse deinen Gegner seinem Schicksal. Wenn er ohne deine erste Hilfe nicht ueberlebt, ist das sein Problem und nicht dein eigenes."
Verglichen mit dieser kriminellen Auffassung ist das von mir vorgeschlagene Verhaltensmodell sehr human. Denn es bemueht sich um einen Interessensausgleich zwischen erster Hilfe einerseits und dem Schutz des Verteidigers vor Strafverfolgung andererseits.



D.) NOTHILFE:


In den Medien wird bisweilen dazu aufgerufen, bei Straftaten nicht wegzusehen und angegriffenen Passanten gegen den oder die kriminellen Angreifer beizustehen. Die Medien empoeren sich beispielsweise darueber, dass auf einer belebten Strasse ein Raubueberfall stattfinden kann, ohne dass vorbeigehende Dritte dem Opfer zur Hilfe eilen. Oder eine Frau wird von einem Mann in der Oeffentlichkeit verpruegelt, wobei niemand der Frau zu Hilfe kommt. Derartige Zustaende sind gesellschaftspolitisch sehr bedenklich, aber es gibt dafuer auch nachvollziehbare Gruende.
Zuviele Faelle, in denen beherzte Passanten eingriffen, endeten leider damit, dass die mutigen Helfer anschliessend vor Gericht wegen Koerperverletzung im Rahmen einer Ueberschreitung der Notwehr/Nothilfe verurteilt wurden. Besonders hoch ist dieses Risiko bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Maennern und Frauen: Der gewalttaetige Ehemann schlaegt auf die Ehefrau ein, die in ihrer bedauernswerten Lage verzweifelt um Hilfe ruft. Ein "tapferer Ritter" eilt herbei und verletzt den Angreifer waehrend der folgenden Pruegelei nennenswert. Erfahrungsgemaess kommt der selbstlose Nothelfer bei diesem Kampf selbst auch nicht ohne Blessuren davon. Waehrend seine Wunden langsam heilen, teilt ihm die Staatsanwaltschaft ueberraschend mit, dass gegen ihn in dieser Sache wegen Koerperverletzung ermittelt wird. Was ist hier geschehen?
Taeter und Opfer haben sich wieder versoehnt, weil ihre Liebe doch staerker ist als die Pruegel, die die Frau bezogen hat. Die Frau sagt jetzt vor der Polizei aus, dass unserer tapferer Ritter in Wirklichkeit der Angreifer gewesen sei. Dieser habe ihren geliebten Ehemann grundlos zusammengeschlagen. Unser Nothelfer ist nach Abschluss der straf- und zivilrechtlichen Verfahren vorbestraft ("Schlaeger!" und darf Verfahrenskosten in Hoehe von mehreren tausend Euro bezahlen. Hinzu kommt ein erhebliches Schmerzensgeld, mit dem seine angeblichen Opfer ihre Versoehnungsreise in sonnige Gefilde finanzieren. Frauen, die ihren Angreifer tatsaechlich nicht kennen, sollten dies ihrer Umgebung laut und deutlich zu verstehen geben. Damit verbessern sie ihre Chancen auf Nothilfe durch Dritte.

Im Fall erfolgreicher Nothilfe sind Opfer und umherstehende Zeugen froh ueber den "Helden", der die Situation durch seinen Einsatz bereinigt hat. Das hindert diese aber nicht daran, anschliessend in einer Hauptverhandlung vor Gericht eine voellig andere Meinung zu vertreten. Die Gefahr ist gebannt, und der Vorfall liegt bereits mehrere Monate zurueck. Im ruhigen Licht eines Gerichtssaals moechte man nicht als "unzivilisiert" erscheinen. Und deshalb sagen Opfer und Zeugen jetzt aus, dass man diese Situation angeblich auch ohne gewaltsame Massnahmen haette bereinigen koennen. Deren sogenanntes "Mittelschichtverhalten" wird dem Nothelfer hier zum Verhaengnis.
Besonders riskant ist auch eine Nothilfe fuer hauptberufliche Sicherheitskraefte. Beschaeftigte von Polizei und privaten Sicherheitsdiensten  moechten nicht zugeben, dass sie eine gefaehrliche Situation nicht mehr unter Kontrolle hatten. Denn dieses Eingestaendnis waere beruflich nachteilig fuer sie. Und deshalb koennen sie im Nachhinein aussagen, dass die Nothilfe Dritter ueberhaupt nicht erforderlich gewesen sein soll. In beiden Faellen erwartet  den Nothelfer anschliessend eine Verurteilung wegen Koerperverletzung und schlimmerer Straftaten.

In einer Nothilfesituation beschraenken Sie sich am besten darauf, anonym die Polizei zu verstaendigen und den Ort des Geschehens sofort zu verlassen. Andernfalls koennen Sie und ggf. Ihre Begleitung in die gewalttaetige Auseinandersetzung hineingezogen werden. Und dabei besteht immer erhebliche Gefahr fuer Ihre persoenliche Sicherheit. Wenn Sie nicht fuer den Strassenkampf ausgebildet sind, werden Sie sehr schnell selbst zum Opfer einer Gewaltstraftat. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Taeter mit Schlagstock, Messer oder Pistole bewaffnet ist. Auch gegen mehrere Gegner ist ein Kampf kaum zu gewinnen. Falls Sie hingegen fuer einen Strassenkampf ausgebildet und ausgeruestet sein sollten, kann Ihnen dies vor Gericht sehr schnell zum Verhaengnis werden. Man wird Ihnen vorwerfen, dass Sie als ausgebildeter Kampfkuenstler gegen den Kriminellen viel zu hart vorgegangen sein sollen. Aufgrund Ihrer Ausbildung sei eine erfolgreiche Nothilfe/Notwehr auch mit minder schweren Mitteln moeglich gewesen. Sie geraten automatisch in dieselbe Situation wie der Verteidiger, der den kriminellen Angreifer erfolgreich abgewehrt hat (siehe oben). Und ein Staatsanwalt ist fuer einen Menschen mit buergerlicher Existenz in dieser Lage mindestens ebenso gefaehrlich wie ein Strassenraeuber.

Sollten Sie selbst im Laufe des Gerichtsverfahrens nicht verurteilt werden, erwartet Sie moeglicherweise eine weitere unliebsame Ueberraschung. Denn die finanziellen Aufwendungen, die Sie als Zeuge zu tragen hatten, werden Ihnen unter Umstaenden nur teilweise erstattet. Hiervon koennen Kosten fuer einen eigenen Rechtsanwalt genauso betroffen sein wie Reise- und Uebernachtungsspesen oder Verdienstausfall. Einige subalterne Beamte der Justizverwaltung setzen Zeugen bei der Abrechnung von deren Aufwendungen einer beleidigenden Untertanenbehandlung aus. Die Regelungen des "Gesetzes ueber die Entschaedigung von Sachverstaendigen und Zeugen (ZSEG)" werden von der Justizverwaltung bewusst restriktiv ausgelegt. Offiziell wird wird dies mit dem Schutz der finanziellen Interessen der Angeklagten, deren Rechtsschutzversicherungen und der Staatskasse begruendet. Die finanziellen Interessen des Zeugen, der vielleicht von Schleswig-Holstein nach Hessen anreisen musste, scheinen dagegen unbedeutend zu sein. Beamte und andere juristisch vorgebildete Zeugen koennen sich gegen derartige Praktiken oftmals erfolgreich zur Wehr setzen. Eine unbedarfte Hausfrau aus einfachen Verhaeltnissen ist dem herumnoergelnden Justizobersekretaer des Amtsgerichts X jedoch hilflos ausgeliefert. Dieser macht ihr im Bewusstsein seiner Amtsgewalt sehr schnell klar, dass sie nur eine Bittstellerin ist. Und sie kann froh sein, wenn sie von den verauslagten Reisekosten ueberhaupt etwas erstattet bekommt. Nachdem sie diese Prozedur gedemuetigt ueberstanden hat, wird sie sich allerdings nie wieder als Zeugin zur Verfuegung stellen.

Einziger Lichtblick fuer die Betroffenen sind hier oftmals die beteiligten Richter. Diese haben grosses Interesse daran, dass die dringend benoetigten Zeugen auch tatsaechlich bei der Gerichtsverhandlung anwesend sind. Zeugen sind gesetzlich verpflichtet, vor Gericht zu erscheinen und innerhalb von bestimmten Grenzen auszusagen. Doch gegen die Krankmeldung eines Zeugen mit beigefuegtem aerztlichen Attest ist auch ein Richter machtlos. Wenn Sie selbst als Zeuge mit der Entscheidung der Justizverwaltung nicht einverstanden sind, dann bestehen Sie auf einem schriftlichen Bescheid mit genauer Berechnung der erstatteten Aufwendungen. Anschliessend beantragen Sie gleich vor Ort, dass die Ihnen zu gewaehrende Entschaedigung gemaess § 16 Abs. 1 ZSEG durch gerichtlichen Beschluss festgesetzt werden soll. Zustaendig fuer diesen Beschluss ist der Richter, der Sie als Zeuge vorgeladen hat. Mit etwas Glueck faellt die festgesetzte Entschaedigung anschliessend hoeher aus, weil der Richter den gesetzlich moeglichen Ermessensspielraum weiter ausschoepft.

Wenn Sie bei einem Strassenkampf eine Schuss- oder Stichverletzung erleiden, sollten sie sich zur Behandlung Ihrer Verletzungen ausnahmslos und sofort in aerztliche Behandlung begeben. Stich- und Schussverletzungen koennen lebensgefaehrliche innere Blutungen ausloesen. Nicht ordnungsgemaess genaehte Schnittwunden fuehren zu entstellenden Narben und koennen Infektionskrankheiten nach sich ziehen. Hierbei kann es durchaus in Ihrem persoenlichen Interesse liegen, dass der Strassenkampf nicht bei den Strafverfolgungsbehoerden bekannt wird. Gewichtige Gruende dafuer habe ich Ihnen ja soeben geschildert. Vielleicht kennen Sie den Taeter persoenlich und wollen nicht, dass er strafrechtlich verfolgt wird. Bevor Sie sich in Behandlung begeben, beseitigen Sie zuverlaessig alle Waffen und sonstigen Hilfsmittel, die Sie im Kampf eingesetzt haben. Dies gilt besonders fuer Schusswaffen, Messer, Schlagstoecke, Pfeffersprays, Nervenstoecke und aehnliche Gegenstaende.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die aerztliche Schweigepflicht und der Datenschutz gesetzlich verankert und strafbewehrt. Es gibt KEINE gesetzliche Meldepflicht fuer Schuss- oder Schnittverletzungen an die Ermittlungsbehoerden, wenn der Strassenkampf beendet ist und keine Gefaehrdung fuer Dritte mehr besteht. Das ist normalerweise der Fall. Daher beschreiben Sie dem Arzt die eigentliche Ursache der Verletzung so genau wie moeglich. Ob Sie von einem sauberen Kuechenmesser oder einem rostigen, schmutzigen Werkzeug verletzt worden sind, ist schliesslich fuer die Art der Behandlung von Bedeutung. Der Anlass der Verletzung geht das medizinische Personal nichts an. Drohen Sie bei allzu neugierigen Fragen mit rechtlichen Konsequenzen. Falls die Polizei dennoch erscheinen sollte, um sie zu befragen, verweigern Sie jede Aussage und schalten einen Rechtsanwalt ein. Im Rahmen des Akteneinsichtsrechts muss die Polizei Ihrem Rechtsanwalt den Namen des Informanten geben und auch den Inhalt aufgezeichneter Telefongespraeche zur Verfuegung stellen.
Sofern in Oesterreich oder der Schweiz eine gesetzliche Meldepflicht bei derartigen Verletzungen bestehen sollte, gilt Folgendes:
Entsorgen Sie eventuell eingesetzte Notwehrausruestung (Messer, Schlagstock etc.) und moeglichst auch blutverschmierte, zerrissene Kleidung. Im Krankenhaus angekommen verweigern Sie zum Anlass der Verletzung jede Auskunft. Alles weitere regelt Ihr Rechtsanwalt.   

ACHTUNG: Die oben gemachten Ausfuehrungen beziehen sich auf die Rechtslage der Bundesrepublik Deutschland und koennen nicht ohne weiteres auf Oesterreich oder die Schweiz uebertragen werden.



E.) MENTALE EINSTELLUNG:

Jeder zivilisierte Mensch moechte sich instinktiv von Justiz und Polizei bestaetigen lassen, dass er einen Angriff verhaeltnismaessig und rechtmaessig abgewehrt hat. Desweiteren moechte er auch keinen Verletzten auf der Strasse liegen lassen, sondern selbstverstaendlich sofort Erste Hilfe leisten. Deshalb sind meine zuvor gemachten Aussagen fuer viele Menschen schwierig zu akzeptieren. Und es kommt leider noch schlimmer!

Traditionelle Kampfsportarten lehren uns, dass man im Kampf ruhig bleiben und niemals als erster losschlagen sollte. Im Strassenkampf gewinnt aber oftmals derjenige, der als erster mit maximaler Brutalitaet auf seinen Gegner losgeht. Eine derartige Geisteshaltung koennen zivilisierte Menschen normalerweise nicht einnehmen. Fest steht aber auch, dass ein Kampf gegen einen gleichwertigen oder ueberlegenen Angreifer ohne eine gehoerige Portion Kampfgeist nicht zu gewinnen ist. Es gibt keine geheimnisvollen Zauberkampftechniken, die einen Gegner ohne erhebliche eigene Anstrengungen kampfunfaehig machen koennen. So etwas gehoert in das Kino oder ist einfach nur Geldschneiderei einiger Kampfkunstlehrer. Eine sechzig Kilo schwere Frau wird im waffenlosen Zweikampf gegen einen achtzig Kilo schweren Mann nicht bestehen koennen, wenn dieser brutal auf sie einschlaegt und eintritt. Dies gilt wahrscheinlich auch dann, wenn die Verteidigerin einige Jahre Erfahrung in einer waffenlosen Kampfkunst (Wing Tsun, Ju Jutsu etc.) hat. Ausnahmen bestaetigen hier eher die Regel.


F.) WAFFENEINSATZ:

Wer Selbstverteidigung lernen moechte, sollte eine Schule waehlen, in der neben dem waffenlosen Kampf auch der Kampf mit Waffen aller Art (Stock, Messer, improvisierte Waffen etc.) unterrichtet wird. Denn Gewaltkriminelle versuchen von vorneherein eine Situation zu schaffen, in der das Opfer keine Chance mehr hat. Bei einem einfachen Handtaschenraub mag der Taeter der Frau ueberraschend die Handtasche entreissen und mit seiner Beute fluechten. Ansonsten wird der Verteidiger sehr oft mit einer Ueberzahl und/oder bewaffneten Angreifern konfrontiert. Wenn Ihnen drei oder vier Angreifer mit Messern, Baseballschlaegern und Pfefferspray gegenueberstehen, ist eine waffenlose Notwehr von vorneherein aussichtslos. Der waffenlose Kampf zweier Gegner nach irgendwelchen Regeln ist ein lebensgefaehrliches Maerchen, das mit der Realitaet des Strassenkampfes wenig gemein hat. Gewaltkriminelle kennen weder romantische Ehrbegriffe noch haben Sie irgendwelche moralischen Hemmungen. Sie werden vielmehr alles tun, um ihre kriminellen Ziele auf Kosten ihrer Opfer durchzusetzen. Und deshalb ist der Verteidiger gut beraten, wenn er seinerseits jedes Mittel akzeptiert, das zur Abwehr des Angriffs erforderlich ist. Nicht mehr, aber auch ganz bestimmt nicht weniger! Wer beispielsweise den Messereinsatz in der Notwehr von vorneherein ausschliesst, muss sich nicht wundern, wenn er als Opfer nach einer schweren Gewaltstraftat verkrueppelt wird oder im Sarg endet.

Rentner mit Kopfwunde
Raeuber greifen bevorzugt alte Menschen und Behinderte an, da hier  kaum mit einer wirksamen  Gegenwehr zu rechnen ist.  Der 76-jaehrige Rentner auf dem Bild wurde abends auf der Strasse mit einem Schlagstock aus dem Hinterhalt niedergeschlagen.  Dieser Treffer haette auch mit einem toedlichen Schaedelbruch enden koennen.
Eine Chance auf eine erfolgreiche Gegenwehr bestand hier von vorneherein nicht.


In der traditionellen Kampfkunstszene gibt es leider eine grosse Anzahl von Kampfsportlehrern, die ihre Schueler davon abhalten, den Waffenkampf in der Selbstverteidigung zu trainieren. Lediglich die waffenlose Abwehr von Messer- und Stockangriffen darf geuebt werden. Die hierbei eingesetzten Techniken grenzen bei realen Angriffen oftmals an Selbstmord, wie ich im Kapitel "Messerabwehr" noch belegen werde. Der angriffsmaessige Einsatz eines Schlagstocks oder gar eines Messers in der Notwehr wird als ehrlos und kriminell verunglimpft. Derartige "Lehrer" stehen dank Genetik und Trainingsintensitaet an der Spitze der waffenlosen Kampfkunsthierachie. Solange alle anderen auch nur waffenlos kaempfen, sind sie selbst auf der sicheren Seite. Ein einigermassen versierter Stock- oder Messerkaempfer kann sie jedoch schwer verletzen oder toeten. Und schon deshalb sind sie gegen jeden Waffeneinsatz im Kampf und damit auch in der Notwehr.
Hinzu kommen moralische und erzieherische Ueberlegungen, gegen die in einer zivilisierten Umgebung auch nichts einzuwenden waere. Nur leider werden hierdurch mentale Barrieren bei ihren Schuelern aufgebaut. Diese hindern den Verteidiger im Strassenkampf oftmals daran zu tun, was jetzt getan werden muß. Er wird ueberraschend mit einer "unzivilisierten" Gefaehrdungslage konfrontiert, die sein Vorstellungsvermoegen ueberschreitet. Denn sein Lehrer hat dieses Szenario im Unterricht schlicht ignoriert. Oder ihn davon ueberzeugt, dass man waffenlos wie ein Kinoheld jeden Angriff abwehren kann, wenn man nur hart genug trainiert. Derart unvorbereitet wird er in vielen Strassenkaempfen schlicht und einfach versagen, weil er deren Regeln nicht kennt und dafuer nicht ausgebildet ist.
Im Strassenkampf bestimmt der kriminelle Angreifer im wesentlichen die Spielregeln, nach denen der Verteidiger kaempfen muss. Und wenn Sie nach dessen Regeln von vorneherein nicht gewinnen koennen, gibt es eine einfache Loesung: Aendern Sie die Spielregeln zu Ihren Gunsten ab! Wenn hierzu der Einsatz einer Waffe erforderlich ist, dann zoegern Sie auch nicht eine Sekunde diese einzusetzen!

Zum Thema "Messereinsatz in der Notwehr" hat der Bundesgerichtshof mit Urteil vom 09.08.2005 1 StR 99/05 interessante Ausfuehrungen zum Erforderlichkeitsgrundsatz im bundesdeutschen Notwehrrecht gemacht. Bei einer Notwehrhandlung hat der Verteidiger das mildeste zur Verfuegung stehende Mittel anzuwenden, um die Gefahr abwenden zu können. Bei einem Messer kann man dem Angreifer die Klingenspitze drohend auf den Koerper aufsetzen ohne zuzustechen. Oder man kann ihm mit dem Messerknauf einen Schlag versetzen. Oder man kann mit der Klinge Schnitte oder Stiche ausfuehren. Diese koennen je nach getroffenem Koerperteil verletzend, verstuemmelnd oder toedlich wirken.
Bei mehreren Einsatzmoeglichkeiten des vorhandenen Abwehrmittels hat der Verteidigende nur dann das für den Angreifer am wenigsten gefaehrliche zu waehlen, wenn ihm Zeit zum Ueberlegen zur Verfuegung steht und durch die weniger gefaehrliche Abwehr der Angriff zweifelsfrei und endgueltig beendet wird (BGHR StGB § 32 Abs. 2 Erforderlichkeit 5). Dabei darf sich der Angegriffene grundsaetzlich des Abwehrmittels bedienen, das er zur Hand hat und das eine sofortige und endgueltige Beseitigung der Gefahr erwarten laesst. Das schliesst auch den Einsatz lebensgefaehrlicher Mittel ein. Zwar kann dieser nur in Ausnahmefällen in Betracht kommen und darf auch nur das letzte Mittel der Verteidigung sein; doch ist der Angegriffene nicht genoetigt, auf die Anwendung weniger gefaehrlicher Verteidigungsmittel zurueckzugreifen, wenn deren Wirkung fuer die Abwehr zweifelhaft ist. Auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang braucht er sich nicht einzulassen (st. Rspr., vgl. BGH NStZ 2002, 140 m.w.N.). Das Urteil kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden: BGH-Urteil


G.) VORKAMPFVERHALTEN:

Kommt es zum Kampf gegen einen ueberlegenen Gegner, sollten Sie sich innerlich aufputschen. Ihr Koerper produziert dann eine Adrenalinart, die Sie auf einen Kampf statt auf eine Flucht vorbereitet. Kraftreserven für den Notfall werden aktiviert, ihr Reaktionsvermoegen verbessert sich wesentlich, und Ihre Schmerzempfindlichkeit sinkt voruebergehend. Vielleicht muessen Sie gegen mehrere Gegner kaempfen. In diesem Fall kann ein ueberraschender Gegenangriff Ihre einzige Chance sein, um eine Luecke zu oeffnen und zu entkommen. Andernfalls werden Sie eingekreist und uebel zugerichtet. Sie WERDEN jeden Zweikampf verlieren, wenn Sie geistig bereits davon ausgehen, dass Sie ihn verlieren muessen. Umgekehrt kann ein zu allem entschlossener Verteidiger mit einer geeigneten Waffe auch einem ueberlegenen Gegner den Schneid abkaufen. Die meisten Schlaeger suchen Opfer, die durch Mimik, Gestik und Sprache bereits ihre Opferhaltung einnehmen. An einem Gegner, der heftigsten Widerstand leistet, sind sie nicht interessiert. In diesem Zusammenhang noch einige Ausfuehrungen zum Thema Blickkontakt: Wenn Sie jemand herausfordernd anstarrt, dann sehen Sie ihm entschlossen kurz in die Augen und anschliessend auf gleicher Blickhoehe rechts oder links an ihm vorbei. Starren Sie dauerhaft zurueck, ist das eine Herausforderung zum Zweikampf. Wenn Sie jedoch den Blick senken, ist das ein Signal der Unterwerfung. Kommt der Schlaeger weiter auf Sie zu, dann nehmen Sie eine verdeckte Vorkampfstellung mit verschraenkten Armen ein. Oder Sie heben die Arme und "reden mit den Haenden", wie es im Volksmund so schoen heisst.
23.12.07 22:50
 



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung